ADAC-Ortsclub Ulm/Neu-Ulm e.V.

Balsam auf die Rallye-Seele

(Rallyesprint Untergröningen, 07.08.2021)


 

 

Gute 11 Monate waren seit unserem letzten Start beim Rallyesprint des MSC Laichingen verstrichen. Die Rallies in Calw, Ulm und Abtsgmünd konnten ebenso wenig stattfinden, wie die RBW-junior und die Rallyeparty des MSC Black-Forrest. Die Szene war in einen schaurigen Dornröschenschlaf verfallen. Ebenso war der Polo eingemottet und abgemeldet, eine Lizenz für die Saison zu beantragen schien wenig sinnvoll. Stille und Langeweile waren die Folge, auch das Treffen mit der „Rallyegemeinde“ fand höchstens noch in den sozialen Medien statt.

Fahrtleiter Daniel Gutsch hatte Mitte des Jahres im Rallyemagazin-Forum das Festhalten an der Veranstaltung vermeldet – natürlich mit Hygienekonzept. Also musste dann die ganze Bürokratie für einen Start anlaufen: Lizenz beantragen; Auto versteuern, versichern und vom TÜV abnehmen lassen, dazu musste der KFP verlängert werden, was nur Spezialisten dürfen (die Termingestaltung war sehr schwierig). Grösstenteils sind das Behörden, die nicht gerade für eine schnelle Verwaltung bekannt sind. Das Wenigste war, mal Staub zu wischen und den Schlüssel auf Zündung zu drehen, um zu checken, ob im Motorraum die Spinnweben irgendwelche Störungen verursacht haben.

So konnten wir am Veranstaltungstag mit fertigem Sportgerät, allerlei Hygienepapierkram, aktuellem Corona-Test bzw. Impfnachweis und FFP-3 Maske zur Abnahme erscheinen. Die Hygieneregeln wurden weitgehend eingehalten, aber es gab auch Ausnahmen. Der tech. Kommissar ging seiner Aufgabe sehr penibel nach, sodass die Wartezeit doch erheblich ausfiehl. Auch gab es völlig unnötige Diskussionen über den Zeitpunkt der Reifenabnahme. Es liess sich alles klären.

Die 5km-WP präsentierte sich bekannt. Der Runkurs war so 2016 schon mal im Programm und der Aufschrieb war schnell gemacht. Es konnte also los gehen: Es blieb die Frage nach dem Wetter. Jürgen war auf Regenreifen angereist und hatte sich morgens nach Gesprächen mit den Eingeborenen doch für den Intermed entschieden. Mein Wetterbericht mit 40% Regenwahrscheinlichkeit und zunehmender Schauerneigung zum Nachmittag war nicht wirklich geeignet, um eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Es musste bei blauem Himmel entschieden werden und das liegt nun mal beim Fahrer – also Trockenreifen.

Wir waren wieder mit der 1600er Klasse zusammen gelegt, in der dann 7 Wagen starteten. Joan Santos hatte den Saxo wieder startklar gemacht, ebenso wir Björn Frey den Lupo. Jetzt mussten alle mit ihrer Reifenwahl klar kommen, denn pünktlich zum Start begann es zu regnen. Schon zu Beginn begann sich unsere Klasse aufzulösen: Der Saxo musste noch vor der ZK zur WP aufgeben, der mangelde Bezindruck dürfte Ursache für den Powerverlust im Motor sein. Wir waren unter den letzten Wagen des Feldes und hatten die ZK absolviert. Beim Aufrücken zum Start liess sich auf einmal der Motor nicht mehr starten. Nun war guter Rat teuer: Rückwärtsrollen und Einkuppeln - Fehlanzeige. Jürgen hatte die rettende Idee: Umdrehen, den Berg runter und Einkuppeln. Unter Hilfe der Mädels von der ZK hatte das Wendemanöver funktioniert und der Reihen-Vierzylinder tat wieder, was er sollte. Danke nochmal an die Mädels von der ZK! „Das war genug Aufregung für heute!“ hatte ich ins Micro gesprochen, als wir uns als Letzte dem Fahrerfeld wieder anschlossen. Wir waren wieder im Wettbewerb! Der Kurs präsentierte sich erwartet rutschig, doch wir hatten keine „Big Moments“. Es war wohl gerade die richtige Mischung zwischen Vorsicht und Attacke. Es reichte doch immerhin zur 3.Klassenzeit. Als ich dem Fahrer unseren Rückstand auf Björn Frey mit 4sek. bezifferte, war der doch angenehm überrascht. Im 2. Umlauf hatte es aufgehört zu regnen und auf den freien Flächen trocknete eine Fahrspur auf. Der Scharfrichter des Kurses sollte wohl die Spitzkehre werden, die am Start endet. Es war nicht möglich, selbst mit so einem kurzen Auto wie dem Polo, die Kehre auszulenken – also Handbremsdrift. Jürgen hatte die Devise ausgegeben: Einlenken - Handbremse - Drift - Gas geben, blos nicht grübeln: Wie könnte es am besten gehen! Am Ende ist es mal besser und mal weniger gut gelungen. Doch Björn Frey bleibt im Umlauf 2 dort innen hängen, sitzt am Unterboden auf und lässt richtig Zeit liegen. Obwohl unser Fahreindruck besser ist, verbessern wir unsere Zeit nur um 0,1 sek. In der Klassenspitze der 1600er fahren Schober/Piede im Golf ca. 3sek. pro WP-km schneller und somit in einer anderen Liga. Inzwischen mussten Steinbach/Steinbach den 6N Polo mit Defekt abstellen. Sie hatten in Umlauf-1 auch etwa unsere Zeit gefahren. In Umlauf-3 hatte es wieder stärker zu regnen begonnen: Sauber zu Ende fahren – war die Devise. Gesagt – getan. Björn holt nochmal 6 sek. auf, aber es reicht am Ende für uns zu Platz 2 in der Klasse. 1,3 sek. wird im Endergebnis  den Unterschied zu Klassenrang 3 machen.

Die Klasse NC4 gewinnen Schober/Piede im Golf (+44,5 sek). Den Gesamtsieg holen Nolle/Schlicht (Mitsubishi), vor Dinkel/Lutz (Mitsubishi) und Stütz/Bandtel (Mitsubishi).

Für uns geht’s weiter am ersten Septemper-Wochenende in Calw.